Das Dresdner Damaskuszimmer

und Wohntextilien aus dem Orient

ab 19. Oktober 2012

Das Dresdner Damaskuszimmer steht im Mittelpunkt des ersten Teils der neuen Dauerausstellung im Japanischen Palais und gibt Einblicke in die farb- und ornamentreiche Wohnkultur Westasiens. Ein wesentliches Merkmal des traditionellen Wohnens im Orient ist die Multifunktionalität der Räume, die geprägt sind von Architekturdekor und Textilien. Insbesondere durch letztere konnte ein Raum für unterschiedliche Zwecke hergerichtet werden. So verwandelte sich der Empfangsraum durch wenige Handgriffe und mithilfe der darin aufbewahrten Textilien in einen Schlafraum.

Das zentrale Exponat der beiden Ausstellungsräume bildet das Damaskuszimmer. Dieser Empfangsraum eines vornehmen Damaszener Wohnhauses diente der Bewirtung von Gästen. Die reich dekorierte Wand- und Deckenvertäfelung ist im Stil des sogenannten Türkischen Rokoko gearbeitet. Neben geometrischen und floralen Ornamenten finden sich darin Malereien von Blumenbouquets, Obstschalen sowie stilisierten Landschafts- und Stadtansichten. Einige Inschriften geben die Verse eines überkonfessionellen frommen Gedichtes wieder. Sie enthalten auch ein Datum, das dem Jahr 1810 n. Chr. entspricht und wahrscheinlich die Entstehungszeit des Zimmers angibt.

Karl Ernst Osthaus, der Gründer des Folkwang-Museums Essen, hatte das Zimmer bestellt und so gelangte es im Jahre 1899 von Damaskus nach Deutschland. Zunächst lagerte er es in seinem Wohnhaus in Hagen ein. Nach Osthaus‘ Tod wurde das Zimmer dem Dresdner Völkerkundemuseum geschenkt, wo es aber erst im Jahr 1997 die angemessene Beachtung erfuhr. Das Damaskuszimmer gehört – wie sich herausstellte – zu den wenigen osmanischen Zimmern, die heute noch in Museen außerhalb des Orients zu finden und in vergleichbarer Weise gestaltet sind. Die aufwändige Restaurierung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Die Gestaltung des Raumes vermittelt jedoch schon jetzt einen Gesamteindruck des Zimmers. Die Restaurierung wird fortgesetzt und die fehlenden Teile werden nach und nach ergänzt.

In der Ausstellung werden neben dem Damaskuszimmer auch farbenprächtige Wohntextilien aus dem Kulturraum Westasien präsentiert. Es wird eine Vielfalt verwendeter Materialien, Techniken und Muster aus unterschiedlichen Regionen und Bevölkerungsgruppen gezeigt: etwa „Susani“ – großflächige Seiden-Stickereien aus Mittelasien, sogenannte türkische Handtücher aus dem Osmanischen Reich, Knüpfteppiche aus Ostanatolien sowie Paillettenstickereien, ein bedruckter Baumwollstoff und feine Wollstickereien aus Persien.

Die farbprächtigen Susanis Mittelasiens mit ihren großen Blütenrosetten und Sternformen schmückten einst die städtischen Hochzeitszimmer in Buchara oder Taschkent. Sie wurden ausschließlich von den Frauen der sesshaften Oasen-Bevölkerung im heutigen Usbekistan gefertigt. Im Osmanischen Reich dagegen war die Stickerei auf Handtüchern, Badetüchern und vielen anderen Textiltypen weit verbreitet, dass selbst in entlegenen ländlichen Regionen derartige Textilien einen festen Bestandteil der Wohnkultur bildeten. In beiden Stickereien dominieren Blumen-, Blüten- und Rankenmotive. Die kurdischen Knüpfteppiche aus Ostanatolien dienten als Schlafunterlage, Belag oder Behang, sowohl im Haus als auch in den Zelten der nomadisierenden Gruppen. Die Formensprache dieser eher grob geknüpften, langflorigen Teppiche ist stark stilisiert. Die mit Paillettenstickereien verzierten, großformatigen Seidentextilien und die bedruckten Baumwollstoffe aus Persien wurden als Wandbehänge, Nischen- oder Türvorhänge verwendet. Die kleineren Wollstickereien dienten als Bett-, Sitz- und Tischdecken, aber auch als Bodenbeläge und Abdeckungen für das Kohlebecken, die traditionelle Heizung.

Die Ausstellung zum Dresdner Damaskuszimmer knüpft damit auch an die Sammlungstradition der „Türckischen Cammer“ im Residenzschloss Dresden an. Dort können in einer beeindruckenden Präsentationneben prunkvollen Waffen und Gewändern, kunstvoll geschnitze und bemalte lebensgroße Pferde und die prächtigen Teile osmanischer Staatszelte bewundert werden. Die Eintrittskarte Residenzschloss (inkl. Türkische Cammer) berechtigt zum freien Eintritt ins Damaskuszimmer im Japanischen Palais.

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Eintritt: 2,50 Euro, ermäßigt 2 Euro, Gruppen (ab 10 Personen) 2 Euro
freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren

Das Dresdner Damaskuszimmer; Foto: J. Tümmler
Das Dresdner Damaskuszimmer; Foto: J. Tümmler
Damaskuszimmer, Wanddetail mit Häusern; Foto: Anke Scharrahs
Damaskuszimmer, Wanddetail mit Häusern; Foto: Anke Scharrahs
Blick in die Dauerausstellung; Foto: J. Tümmler
Blick in die Dauerausstellung; Foto: J. Tümmler
Blick in die Dauerausstellung, Textilvitrinen; Foto: J. Tümmler
Blick in die Dauerausstellung, Textilvitrinen; Foto: J. Tümmler
Blick in die Dauerausstellung, Textilien; Foto: J. Tümmler
Blick in die Dauerausstellung, Textilien; Foto: J. Tümmler